Nazis raus!

Freunde und Follower, Twitter hat meinen Account gesperrt, weil ich angeblich zur Gewalt aufgerufen hätte. Es geht genau um diesen Tweet

Verlinkt hatte ich hier ein Video aus dem Jahre 1994, in dem zu sehen ist, wie die Luxemburger Polizei hart gegen Neonazis durchgreift.

Genau genommen war es eine verkürzte Fassung, die eine Twitterin vor einiger Zeit gepostet hatte. Leider finde ich den Tweet gerade nicht mehr. Liebe Grüße unbekannterweise an der Stelle.

Mitnichten habe ich zur Gewalt gegen Nazis aufgerufen, denn nichts liegt mir mehr fern als das zu tun. Ich habe stattdessen die Polizei dazu aufgefordert, ihre Arbeit zu machen. Und Ihnen als Anleitung dieses Video verlinkt. Denn das Gewaltmonopol liegt beim Staat und bei niemandem sonst. Und ich bin der Ansicht, dass gegen das braune Pack, gegen dieses menschenfeindlichen und rassistische Gesindel mit aller Härte vorgegangen werden muss. Wehret den Anfängen. Und mein Verlinkung dieses lehrreichen Videos tat ja offenbar Not! Nur 3 – in Worten: DREI – tapfere Polizisten haben am vergangenen Samstag verhindert, dass der Worst Case eintritt und Rechte den Reichstag stürmen. Unerträgliche Bilder sind aus Deutschland um die ganze Welt gegangen, mal wieder. Vollversager, die auf den Treppen des Reichstages die Reichskriegsflaggen schwenken. Covidioten, die sich gemein machen mit den Rechten und Reichsbürgern. Die gemeinsam unsere demokratischen Werte mit Füssen treten. Und JA, ich bin der Meinung, dass die Polizei genauso wie in dem Video zu sehen gegen diese staatszersetzenden faschistoiden Individuen vorgehen muss. Mit aller gebotenen Härte, damit sich solche widerlichen Bilder nicht noch einmal wiederholen. Damit sich die Geschichte unseres Landes sich nicht wiederholt. Keinen fußbreit diesen Rassisten und Menschenfeinden!

FCZ NZS!

My two cent…

Auf ein offenes Wort

Heute ist so ein Tag, an dem ich Twitter wirklich hasse. An dem ich am liebsten die verschissene App löschen möchte. Oder jemanden auf die Fresse hauen. Solche emotionalen Ausbrüche kommen meist dann zustande, wenn man verletzt wurde.

Ich hatte, wie ja die meisten sicherlich mitbekommen haben, Krebs. Ich bin damit sehr offen umgegangen und habe sogar zwischenzeitlich einen extra Blog zu dem Thema geführt. Der ist aus vielerlei persönlichen Gründen derzeit offline. Das erwähne ich hier nur am Rande, falls jemand sich fragt, wo der denn geblieben ist. Doch zurück zum Thema.

Der Krebs hat mich ein ganzes grosses Stück geerdet. Hat mir in vielen Punkten vor Augen geführt, was eigentlich wichtig ist im Leben. Und einer der Punkte, die ich gelernt habe – womöglich der wichtigste von allen – ist, für sich einzustehen. Die Macht über sein eigenes Leben zu ergreifen bzw. diese zurück zu erlangen. Dazu gehört auch, die Dinge aus- oder anzusprechen, die einen nerven. Oder die einen verletzt haben. Die Dinge, die man so nicht einfach hinnehmen möchte. Ich bin nicht mehr bereit, einfach nur runterzuschlucken. Ich kaue die Scheisse jetzt durch. Und spucke sie, wenn erforderlich, dem Betreffenden wieder vor die Füsse. Und da spielt es keine Rolle, in welchem Umfeld so etwas stattfindet. Das kann dann eben auch Twitter sein.

Gestern Abend erlebte ich auf Twitter einen Augenblick, der mich sehr glücklich gemacht habe. Über den ich mich als Mensch riesig gefreut habe. Einer meiner Lieblingstwitterer, dem ich schon lange folge, veröffentlichte folgende Tweets:

https://twitter.com/silvereisen/status/546390204115062786

https://twitter.com/silvereisen/status/546391103671635969

Und dann folgte er mir.

Ich war wirklich gerührt. So eine Ansage bekommt man schließlich nicht jeden Tag. Und ich weiß ja, dass der Silbereisen mit solchen Sprüchen nicht gerade um sich wirft. Er ist, um es genau zu sagen, das exakte Gegenteil eines „EMO-Accounts“.

Heute morgen dann bekam ich den derben Tritt in die Weichteile: Er war mir wieder entfolgt! Keine 12 Stunden hat er es ausgehalten.

Ich komme mir einfach nur dämlich vor. Ich weiß, dass klingt jetzt weinerlich und albern, aber vielleicht liegt es an dem, was ich die letzte Zeit durch gemacht habe. Neben meiner Erkrankung bin ich auch von vielen Menschen enttäuscht worden. Mag sein, dass ich einfach etwas sensibler geworden bin. Daran gewöhnt man sich eben nicht so ohne weiteres. Ich komme mir vor wie so ein „One-Night-Stand“, wie eine Frau, die man am Vorabend besoffen abgeschleppt hat. Und wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht und verkatert denkt: „Fuck, wo kommt die denn her?“, um ihr anschließend die Klamotten vor den Latz zu knallen und zu sagen, sie möge sich verpissen. Sowas macht man auch nicht, wenn man einen Funken Anstand besitzt.

Ich reagierte mit dem winkenden Zaunpfahl:

Seine Reaktion darauf:

https://twitter.com/silvereisen/status/546623089220780033

Der nächste Tritt in das verbliebene Ei. Tat aber genauso weh, als wenn ich noch zwei davon hätte. Ein Kumpel, ebenfalls auf Twitter unterwegs, interpretierte den Satz so, dass er den ganzen Tag besoffen gewesen sei und nicht nur am „Abend“. Mag sein, dass er es so gemeint hat. Ich habe es leider anders interpretiert. So ein wenig in die Richtung: „Was willst du denn? Lern erstmal richtig Deutsch…!“.

Lieber Silvereisen, ich will mal ganz offen zu dir sein:

Du bist ein Arschloch!

Wie asozial ist das bitte, so ein Feuerwerk an einem Abend abzubrennen und dann am nächsten Tag so eine Nummer abzuziehen? Ich weiß ich weiß, dass ist nur Twitter. Aber das sind nicht NUR Menschen, die da am anderen Ende an den Tasten sind. Das sind womöglich genauso Menschen wie du, die genauso ein SCHEISS JAHR 2014 hatten, wie du so treffend erwähnt hast. Womöglich sitzen da Menschen, die auch die sozialen Kontakte auf Twitter lieben und schätzen gelernt haben. Denen diese Menschen was bedeuten. Ihren Humor teilen. Ihre Emotionalität teilen. Was auch immer. Denen diese ganze Kacke schlicht WICHTIG ist! Wenn du so ein menschenverachtender Misanthrop bist, dann lass doch in Zukunft einfach die Finger von Twitter und guck dir stattdessen ein paar Youtube Kochtutorials an oder pimmel auf Knuddels rum, wenn du einen im Tee hast. Hauptsache, du lässt so einen Mist in Zukunft sein.

So, ich trink jetzt weiter Bier. Ich habe nämlich auch schon einen im Tee.

Charmanten 4. Advent noch.

MadeByTwitter – Licht und Schatten eines Kurznachrichtendienstes

Auf Twitter wurde die Tage mal wieder eine Sau durch die Gassen getrieben. Nein, Moment! Eigentlich waren es zwei Säue. Doch eines nach dem anderen.

Fangen wir mit der ersten „Sau“ an.

Der geschätzte @Moltroff , seines Zeichens engagierter Twitterer, setzte sich an die Spitze einer Bewegung, die sich gegen die Veröffentlichung des Buches “Ich brauche einen neuen Wecker. Meiner klingelt immer, während ich schlafe: Sprüche, die dir den Tag retten” aus dem Riva-Verlag richtete. Veröffentlicht wurde das Buch durch die Made my Day GmbH, die allseits bekannt ist von der Facebook-Seite „Made My Day“, welche mittlerweile an die 2,5 Millionen „Follower“ hat und dadurch glänzt, dass sie nahezu ausschließlich Tweets von Twitter kopiert und diese ohne Angabe der Quelle oder des Verfassers veröffentlicht.

Details und Einzelheiten mag man dem ausführlichen Blog http://moltroff.wordpress.com/2014/12/10/gedankenhehlerei-2-0-copy-my-day/ entnehmen. Da steht alles drin, was man zu dem Fall wissen muss.

Mein persönlicher Beitrag zu dieser Treibjagd durch das Internet und die Untiefen des Urheberrechts war lediglich die Veröffentlichung einer negativen Rezension auf der Verkaufsseite von Amazon sowie der Hashtag #madebytwitter , unter dem sich fortan Gleichgesinnte im Kampf gegen den dreisten und kommerziellen Tweetklau organisieren konnten. Ansonsten zog ich mich aus dieser Angelegenheit weitestgehend zurück.

Nun, man darf und muss dem Moltroff hier an dieser Stelle gratulieren. Mit fast schon an Fanatismus grenzenden Beharrlichkeit hat er es geschafft, dass die Produktion und der Vertrieb des Buches seitens des Riva-Verlages eingestellt wurde. Auf Amazon wird das Buch nicht mehr gelistet.

In der Sache habe ich Moltroff immer unterstützt. Ich war und bin dagegen, dass jemand wie ein Alex J. Bitschnau, der Geschäftsführer der Made My Day GmbH, mit einem lächerlichen geringen Aufwand die geistigen Leistungen Dritter in bare Münze verwandelt, ohne die Urheber daran finanziell zu beteiligen. Der damit erwirtschaftete Betrag dürfte nicht allzu gering sein. Es kursieren im Netz Vermutungen, das Herr Bitschnau monatlich mindestens einen fünfstelligen Eurobetrag alleine nur durch Werbeeinnahmen umsetzt. Er ist dabei noch nicht einmal, oder vielleicht gerade deswegen bereit, eine simple Quellenangabe unter die Sprüchebildchen zu setzen und gibt sie damit schlicht als seine eigene Leistung aus. Und alleine das verstösst gegen die einfachsten Regeln von Anstand und Moral. Und eben auch in vielen Fällen gegen das geltende Urheberrecht.

Doch kommen wir zur zweiten „Sau“.

Inmitten dieses epischen Kampfes „David von Twitter“ gegen den Goliath der Sprüchebildchen fing die Lichtgestalt Moltroff an zu flackern. Grund waren mehrere Tweets von @Jedi_am_Mittag , die den Moltroff schlicht des Tweetklaus beschuldigten.

In diesem, von mir retweetet, wie auch in sechs weiteren Tweets listete @Jedi_am_Mittag Tweets auf, die der Moltroff augenscheinlich bei anderen Twitterern „geklaut“ hat. Ich habe das selber nachgeprüft und die Vorwürfe waren soweit ich das beurteilen konnte valide. Allerdings war es mir natürlich nicht möglich zu eruieren, ob die vermeintlichen „Urheber“ der Tweets diese nicht auch irgendwo kopiert haben, sei es bei anderen Twitterern oder irgendwo im weltweiten Internetz.

Ich war im ersten Moment sprachlos. Und ich war wütend. „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ waren meine ersten Gedanken. Aus dieser anfänglichen Verärgerung resultierte auch der Retweet. Danach ließ ich die Sache erstmal auf sich ruhen. Gestern beschloss ich dann, den Moltroff einfach mal anzuschreiben und ganz persönlich um eine Stellungnahme zu bitten.

Und stellte fest, dass er mich geblockt hat. Aha. Der getroffene Maulwurf.

Schnell war klar: Ich war nicht der Einzige. Und er hatte in der Zwischenzeit auch alle verfänglichen Tweets gelöscht. Eine reine Weste dank dem Einsatz von hochkonzentrierter Chlorbleiche? Die Vorgehensweise mutet fast schon totalitär an. Kritiker mundtot machen, Beweise vernichten und sich von gutgläubigen Anhängern feiern lassen. Sowas kennt man sonst nur von prominenten Personen der aktuellen Zeitgeschichte. Exemplarisch sei hier der türkische Präsident Erdogan als einer von vielen  genannt.

Da befinde ich mich nun, und vielleicht geht es ja dem einen oder anderen Leser ähnlich, in einer echten Zwickmühle der moralischen Art. Auf der einen Seite bewundere ich das Vorgehen Moltroffs und seine beachtlichen Erfolge gegenüber der Made My Day GmbH und möchte diese nicht schmälern. Auf der anderen Seite verurteile ich seine eigene Tweetklauerei und vor allem sein Vorgehen gegenüber Kritikern seit der Aufdeckung derselbigen. Ich lasse mich dazu hinreissen, es nur ungeschickt zu nennen. Und ich habe mich vor allem gefragt: Warum klaut der Moltroff Tweets, geht aber auf der anderen Seite so vehement gegen Tweethehlerei vor? Das macht doch überhaupt keinen Sinn.

Da kam mir in den Sinn, dass er womöglich diese Tweets gar nicht wissentlich geklaut hat. Eventuell hat er dieses Sprüche bei derselben dritten Quelle gemopst wie der vermeintliche Urheber der Sprüche. Möglicherweise ist der Sprücheklau verbreiteter als man denkt. Das Internet ist voll von Sprüche- und Witzeseiten und in den wenigsten Fällen wird der Urheber eines Spruches oder Witzes genannt. Ich vermute aus dem Grund, dass er schlicht nicht bekannt ist. Wer kennt schon die Verfasser all der ganzen „Mein Name ist Hase“-Witze oder der Ostfriesen-Witze oder…oder…oder. Ich kann mir gut vorstellen, wie das läuft, wenn man mit einem guten Tweet glänzen will, die Muse aber gerade ihre Tage hat und unwillig ist, einem den Zungenkuss der Kreativität zu geben.

Ich habe nämlich schon selber Sprüche geklaut und werfe nun den ersten Stein:

Den zum Beispiel hat mir ein Kumpel erzählt:

Den hier habe ich auf einer Witzeseite geklaut:

Das sind nur zwei Beispiele, die mir spontan eingefallen sind. ich lade sie alle ein, selber nachzuforschen, ob sich unter den knapp 29K Tweets nicht noch weiteres Plagiat findet.

Der Moltroff hat fatalerweise das getan, was Maulwürfe am besten können: Er hat sich vergraben und nicht den Dialog gesucht. Er ist unglücklicherweise nicht offen mit seinen Fehltritten umgegangen. Dies hat bei den Followern zu dem unvermeidlichen Eindruck geführt, er habe was zu verbergen. Das ganze Gute, dass er vollbracht hat, hat ein gewisses „Geschmäckle'“ bekommen. Viele Follower haben in der Folge ihre Unterstützung für die sinnvolle Aktion eingestellt. Leider.

Wir sind uns sicherlich alle einig, dass das die schlechteste aller Strategien in so einer Situation ist. Besser wäre es in so einem Fall, die Verfehlungen einzugestehen und idealerweise sogar die Gründe zu benennen. Jeder Mensch macht Fehler. Offenheit gegenüber den eigenen Vergehen ist meist die beste Strategie, den Kritikern und Hatern rasch den Wind aus den Segeln zu nehmen und die raue See wieder zu beruhigen.

Ich kann nur für mich ganz persönlich sprechen: Meiner Ansicht nach ist es noch nicht zu spät, den Dialog zu suchen und offen auf die Kritiker zuzugehen. Ich bin mir sicher, es würde sehr positiv aufgenommen werden.