Am Wendepunkt

Die Corona-Pandemie ist sicherlich jetzt schon das globale Ereignis unserer Zeit, generationenübergreifend. Eine Jahrhundertkatastrophe, in den weitreichenden Folgen absolut vergleichbar mit den zwei Weltkriegen des vorigen Jahrhunderts oder mit der Spanischen Grippe im Winter 1918/19. Sars-CoV-2 ist nicht irgendein Erreger, der irgendeine Pandemie auslöst. Er ist viel mehr. Er ist disruptiv. Er legt den Finger auf all die Wunden unserer Zeit. Er attackiert die unzähligen Schwachstellen unserer (globalen) Gesellschaften, unserer Wirtschaftssysteme, unserer Gesundheitssysteme. Er entlarvt all die Unzulänglichkeiten unseres Zusammenlebens. Er zeigt die Fehlentwicklungen unserer Spezies in so schonungsloser Art und Weise auf, dass es schwer fällt, an eine rein zufällige Pandemie zu glauben.

Ich bin ein spiritueller Mensch. Nicht religiös, denn mit den institutionalisierten Religionen habe ich nichts am Hut. Ich glaube an Gott, nenne es aber nicht so. Für mich ist Gott All das, was ist. Eine universelle, allgegenwärtige und niemals endende Intelligenz. Alles durchdringend. Alles bedingungslos liebend. Und wir sind gewiss ein unzertrennlicher Teil das Ganzen. Wir sind das Ganze.

Ich glaube nicht an ein zufälliges Universum. Ich glaube nicht daran, dass wir random aus irgendwelchen Molekülen entstanden, ein völlig unwahrscheinliches und in einem kalten, sinnlosen Universum zufälliges Ereignis sind. Ich glaube nicht an den Zufall. Und diese Grundannahme trägt mich zu den folgenden Überlegungen und Annahmen.

Gehen wir im folgenden als Grundannahme davon aus, dass nichts im Universum zufällig geschieht. Jeden Tag stehen wir als einzelne Individuen vor unzähligen Entscheidungen. Wir stehen vor unzähligen Weggabelungen und wählen aus einem schier unendlichen Meer aus Wahrscheinlichkeiten jeweils einen Pfad aus, auf dem wir uns dann weiterbewegen. Jede Entscheidung ändert unser Leben. Privat, familiär, in der Liebe, im Beruf. Über 7 Milliarden Individuen treffen in jeder Sekunde Myriden an Entscheidungen, die deren persönliche Realität ändern. Und die persönlichen Realitäten von über 7 Milliarden Individuen formen die Realität eines ganzen Planeten. Formen politische Systeme unterschiedlichster Art, Gesellschaftsformen, ganze Ökologien werden beeinflusst, Kriege geführt. Die Liste lässt sich unendlich fortführen.

Wenn nichts ein Zufall ist, dann auch nicht das Ausbrechen dieser Pandemie. Sie ist das unmittelbare Ergebnis unseres täglichen globalen Handelns und Denkens. Was für ein unfassbarer Zufall, dass die Pandemie genau in Wuhan ausgebrochen ist, dem weltweiten Zentrum der Produktion von medizinischer Schutzausrüstung und pharmakologischen Grundsubstanzen, oder? Ich bin kein Anhänger kruder Verschwörungstheorien. Diesen Virus hat keine jüdische Weltverschwörung erschaffen noch irgendwelche Reptiloiden. Die Erde ist eine Kugel und innen nicht hohl. Nur um das gleich klar zu stellen.

Haben wir nicht alle oft schon das Gefühl gehabt, dass sich eigentlich mal generell was ändern müsste? Das wir unser persönliches Leben, aber auch als Spezies gesamt, nicht so werden weiterführen können? Die Anzeichen, dass wir uns auf einem gewaltigen Holzweg befinden, sind nahezu unübersehbar geworden. Umweltzerstörung, – verschmutzung, die Klimakatastrophe, unsere Art der Ernährung, die globalen sozialen Verwerfungen, Kriege, Diktaturen, die unfassbare atomare Bedrohung. All das macht was mit den Menschen, lässt sie in Angst und immanenter Verzweiflung leben. Was könnte das stärker sein als der Wunsch nach einer umfassenden Veränderung, einer Transformation hin zum Besseren? Gehen wir nun zurück zu den beiden Grundannahmen, die ich gesetzt habe: All das, was ist und ein Universum ohne Zufälle.

Was, wenn uns diese Intelligenz gehört hat? Was, wenn wir als Spezies einen klaren Wunsch nach umfassender Veränderung formuliert haben, in Form von Milliarden ausgesprochenen und unausgesprochenen Wünschen nach Veränderung. Ein milliardenfach gedachtes „So kann es nicht weiter gehen“.

Bevor wir ein neues Gebäude errichten, müssen wir das alte einreißen. Für einen Umbau ist es meiner Meinung nach einfach zu marode, eine Sanierung lohnt sich somit nicht mehr. Covid-19 ist der Abrißbagger, der das alte System zum wanken bringt. Es liegt nun an uns, ob es endgültig einstürzt und Platz für einen Neubau macht oder ob wir so weitermachen, wie bislang, mit allen daraus resultierenden Folgen. Wir können dieses gewaltige Momentum der gobalen Krise nutzen und den Umsturz wagen. Wir können ein neues System erschaffen. Ein intelligenteres, gerechteres System. Nachhaltig und verantwortungsvoll. Aufbauend auf Kooperation und Nächstenliebe und nicht auf Konkurrenz wie bisher. Es wird kein leichter Weg werden, es wird lange dauern und wir werden uns auf Rückschläge gefasst machen müssen. Eine gigantische Baustelle liegt vor uns. Doch es wird den Erhalt unserer Spezies sichern. Und ganz nebenbei das Leben von Milliarden Menschen hoffentlich lebenswerter machen.

Ein Kommentar zu „Am Wendepunkt

  1. Endlich mal jemand der wie ich über die Zusammenhänge (Ursache und Wirkung) denkt und das Wort Zufall aus seinem Wortschatz streicht.
    Vielen Dank.

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