Wenn einer eine Reise tut

Liebe Gemeinde!

Am letzten Freitag war ich ein bisschen unterwegs in Deutschland, genauer war ich in Hamburg und im weiteren Verlauf in Hannover. In Hamburg war ich nur kurz auf Stippvisite, da ich ein wichtiges Dokument persönlich übergeben musste. Später war ich dann in Hannover, einen Freund besuchen und mit ihm gemeinsam auf das Maschseefest gehen. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Bielefeld.

Klingt ja erstmal nicht so spannend, doch das interessante an dieser Rundreise war, dass ich mit drei verschiedenen Reisemitteln unterwegs war: Für die Hinfahrt nach Hamburg wählte ich Blablacar, eine Mitfahrzentrale. Für die Fahrt von Hamburg nach Hannover benutzte ich die Deutsche Bahn. Und für die Rückfahrt von Hannover nach Bielefeld holte ich mir ein Fernbusticket von MeinFernbus. Ich hatte also die Gelegenheit, drei verschiedene Reisemethoden binnen 24 Stunden zu testen und direkt die Vor- und Nachteile zu erfahren. An dieser Erfahrung möchte ich euch teilhaben lassen.

Die Hinfahrt

Blablacar ist eine klassische Mitfahrzentrale im Netz und als App. Man meldet sich an und kann dann eine Suche eingeben (Start – Ziel) oder eine eigene Fahrt anbieten. Preislich bewegt sich das ganze um 5-15 Euro pro Fahrt, je nach Länge der Strecke und Zahl der Mitfahrer. Für die Fahrt von Bielefeld nach Hamburg sollte ich 13 € bezahlen bei 3 Mitfahrern. Die Kontaktaufnahme erfolgt in aller Regel via SMS oder mittels der internen Messagingfunktion. Man kann auch anrufen. Egal wie, Fahrer und Mitfahrer kommen in Kontakt und besprechen die Details. Alles ganz easy. 

Ich hatte Tamara (Name durch mich geändert) kontaktiert, sie bot eine Fahrt nach HH feil und der Abfahrtszeitpunkt war ideal. Schnell waren die 3 Plätze ausgebucht. Tamara kam dann noch auf die Idee, eine 4. Mitfahrerin kurzerhand mitzunehmen und fragte in die Runde, ob das ok sei. Der Preis vergünstigte sich dadurch um einen Euro. Nun ja, so ging es dann auf der Rückband recht kuschelig zu, was aber kein Problem war, weil ich neben zwei recht attraktiven jungen Damen Platz nehmen durfte. Think positive! 

Wenn man über eine Mitfahrzentrale bucht, muss man Individualist und stets auf Überraschungen gefasst sein. Und das ist gar nicht unbedingt negativ gemeint. Man weiss einfach nicht, mit wem man die nächsten Stunden auf engstem Raum die Zeit verbringen wird. Das kann, wie in meinem Fall, sehr interessant sein.

Meine Mitfahrer waren: Eine Waldorfschülerin, eine polnische Englischlehrerin und ein leidenschaftlicher Fussball-Fan. Tamara selber rückte nicht so recht mit der Sprache raus, was sie beruflich macht. Kann ich verstehen, muss ja auch nicht sein. Ich habe den Anwesenden auch nicht auf die Nase gebunden, das ich Arzt bin. Das Auto war ein neuerer VW Golf mit, dem Herr sei es gedankt, Klimaanlage. Bei 5 Personen im Auto und sommerlichen Außentemperaturen ein echter Segen. 

Die Fahrt ging los und man kam schnell ins Gespräch. Jeder erzählte so ein bisschen was von sich und warum er nach HH fährt. Die Themen gingen über die ganze 5 stündige (!) Fahrt nicht aus. Nach insgesamt 6 Staus und 2 Zwischenstopps waren alle ziemlich am Ende und genervt über den freitäglichen Berufs-/Reiseverkehr, aber Tamara verstand es perfekt, mit einem Mix aus guter Musik, selbst performter Karaoke und Unmenge Humor und guter Laune die Stimmung nie kippen zu lassen. Phasenweise sangen alle lauthals im Auto mit. Somit war die Fahrt recht vergnüglich und kurzweilig und man kam entspannt in Hamburg an. 

Der Zwischenspurt

Ursprünglich hatte ich mir auch eine Mitfahrgelegenheit von Hamburg nach Hannover ab 17 Uhr organisiert, da aber die Hinfahrt staubedingt deutlich länger dauerte und ich auch in Hamburg selber etwas unterwegs war, musste ich diese leider canceln. Da ich aber auch nicht mitten in der Nacht in Hannover ankommen wollte, entschloss ich mich kurzerhand, mit der Bahn zu fahren. Die Fahrt sollte ab Hamburg-Altona gehen und es ist natürlich illusorisch, so knapp vor Fahrtantritt ein Sparticket zu bekommen. Also bleibt schlicht das Normalpreis Ticket für 34,50 € (25% Ermäßigung wegen Bahncard 25). Die Bahn hat im Laufe der Jahre ein undurchdringlichen Dschungel an Tarifen und Preisen und Zonen geschaffen der, wie ich gestehen muss, zu meiner Verunsicherung maßgeblich beigetragen hat. Ich fragte mich, ob ich mit dem Ticket nun in jeden Zug steigen kann oder nur in bestimmte. Diese Frage kann mir sicherlich die Zugbegleitung kompetent und schnell beantworten, dachte ich mir in meinem naiven Köpfchen.

Der ICE rollte um 18:47 Uhr ein und ich stieg gemeinsam mit zwei Zugbegleiterinnen ein. Eine junge blonde Zugbegleiterin vor mir schloss im Bistro eine Tür auf, als ich sie freundlich fragte, ob sie mir kurz eine Frage beantworten könne. 

„Nein!“

Sie drehte sich wieder weg und scheinbar war die Angelegenheit damit für sie erledigt. Verdutzt stand ich da, spürte den kalten Hauch der Ignoranz, der von der Dame ausging und war erstmal sprachlos. Ich blieb einfach stehen und starrte sie wortlos an. Nach quälend langen Sekunden der Peinlichkeit wendete sie sich mir nun doch zu und fügte an:“Ich arbeite nur im Bistro. Ich kann ihre Fragen nicht beantworten. Fragen sie bitte einen Zugbegleiter.“

Nun weiss der routinierte Zugfahrer, das die Dienstbekleidung der Zugbegleiter und der Servicemitarbeiter sich nur in winzigen Nuancen voneinander unterscheidet. So musste ich mir später via Twitter erklären lassen, die Zugbegleiter erkenne man an den drei roten Streifen am Ärmel des Dienstblazers. Ich wusste das nicht und hatte in meiner unerträglichen Naivität die falsche Person mit meiner Frage belästigt. Mea culpa, Deutsche Bahn!

Die zuständige Zugbegleiterin konnte mich dann beruhigen: Mein Ticket war gültig und meine Mitfahrt gestattet. Ich nahm Platz und war ca. 2 Stunden später in Hannover. Der Sitzplatz war genauso beengt wie in dem PKW. Mein Sitznachbar schnarchte die meiste Zeit oder aß geräuschvoll Snickers, deren Erdnussreste er sich anschließend mit den Fingern wieder aus den Zahnlücken pulte. Die Klimaanlage funktionierte wenigstens. Ein Servicewagen kam durch und verkaufte Getränke und Snacks zu Apothekenpreisen. Das WLAN funktionierte, wie immer nicht. Das hat es um ehrlich zu sein noch nie. Man kann sich zwar problemlos einwählen, aber Verbindung ins Netz bekommt man damit nicht. Ein scheinbar unlösbares Problem, das die Bahn schon seit Jahren hat. Ich persönlich kenne jedenfalls niemanden, der schon einmal über das Bord-WLAN der Bahn ins Internet gekommen ist. 

Die Rückfahrt

Am Samstag vormittag ging es Richtung Heimat. Ich hatte, und das war der Knüller, ein Fernbusticket für 5 (!) € ergattert. Billiger kommt man nicht durch Deutschland. Das Ticket kauft man bequem im Netz oder via App und kann es beim Fahrer auch digital vorzeigen. 30 Minuten vor dem eigentlichen Abfahrtszeitpunkt bekam ich eine SMS, die Abfahrt verzögere sich verkehrsbedingt um 20 Minuten. Das kam dann auch genau hin. Praktisches Feature. Der Bus kam an und einige Fahrgäste stiegen aus. Dann hat der Busfahrer die Zusteigenden kontrolliert. Mittels App auf seinem Smartphone. Man sagt einfach seinen Namen, er setzt ein Häkchen, fertig. Willkommen an Bord. Eine Mitreisende hat ihr Ticket vergessen – kein Problem. Sie stand auf der Liste, somit konnte sie mitfahren. Simpel, effektiv, kundenfreundlich. 

Kaum an Bord, fiel mir auf, wie bequem man sitzt und das man nicht weniger Platz als im ICE hat. An jedem Zweiersitz gab es eine Steckdose zum Laden der Mobile Devices. Ich war entzückt. Es werden 2 WLAN-Netze zur Verfügung gestellt, die auch während der Fahrt die meiste Zeit problemlos funktionieren und das bequeme Surfen ermöglichen. Vorne kann man sich auch während der Fahrt Getränke und Snacks holen, ohne den Fahrer abzulenken. Es ist, einschließlich des Bezahlvorganges, Selbstbedienung angesagt. Die Preise sind zivil, Softdrinks und Bier für 1,50 €, Snacks für einen Euro und damit deutlich günstiger als bei der Bahn. Der Fahrkomfort ist super. Sanft schaukelt der Reisebus durch die Landschaft und man kann entspannt die Aussicht geniessen, ein Nickerchen machen oder im Netz surfen. Perfekt!

Das Resümee 

Blablacar: Der höchste Spassfaktor, die längste Fahrtzeit, günstiger Preis. Man lernt die verschiedensten Menschen kennen. Es muss einem klar sein, dass man vorher nicht weiss, was man kriegt. Taugt das Auto oder ist es eine Rostlaube? Ist der / die Fahrer(in) routiniert und sicher oder muss man sich die ganze Zeit am Haltegriff festklammern? Wie sind die Mitfahrer(innen)? Welche Musik wird gespielt? Man muss auf alles eingestellt sein und ggf. die Zähne zusammenbeissen, wenn die eigenen Erwartungen mal nicht erfüllt werden. 

Deutsche Bahn: Das schnellste Verkehrsmittel. Das teuerste Verkehrsmittel. Der mieseste Service. Man merkt einfach immer noch zu sehr, dass es sich um einen ehemaligen Staatsbetrieb handelt. Da muss sich in den Köpfen der Mitarbeiter und des Managements noch viel ändern. Man möchte stets Premium sein, erreicht aber im Durchschnitt allenfalls Economy. 

MeinFernbus: Mein persönlicher Favorit. Unschlagbar günstiger Preis. Super Service. Hoher Comfort. Und ein stetig wachsendes Liniennetz, das auch infrastrukturschwache Gebiete zuverlässig anbindet und den dort lebenden Menschen eine überaus günstige Reisemöglichkeit eröffnet. Die Deutsche Bahn weiss genau, warum sie diese Konkurrenz all die Jahre so erbittert bekämpft und behindert hat. Und auch die Ökobilanz kann sich sehen lassen: Der Reisebus ist nachweislich das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Weiter so!

 

 

 

Ein Kommentar zu „Wenn einer eine Reise tut

  1. Hallo, ich fahre jede Woche mit der Bahn und das WLAN funktioniert immer besser. Es ist aber nicht gratis. Man muss sich mit seinen tmobile-Daten einloggen oder 5 Euro bezahlen. Erst dann ist die Internet Verbindung freigeschaltet..

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