Birgit Bach schreibt mir…

Es tut mir leid, aber ich muss mich gerade mal ein bisschen auskotzen. 

Vor einem Jahr habe ich in einem Anflug von extremen Fitness-Aktivismus, gespeist durch den täglichen Anblick meiner Plauze und beginnender Midlife-Crisis, eine Runtastic GOLD Mitgliedschaft abgeschlossen, um meine herausragende Performance beim Fahrradfahren und meine erwähnenswerten Gewichtsveränderungen minutiös dokumentieren und sie den gängigen sozialen Netzwerken sekundengenau mitteilen zu können. Ich wollte andere Gleichgesinnte motivieren, sie ins Licht einer verheissungsvollen Zukunft führen. Einer Zukunft in einem gestählten, gesunden Körper, der den Unbilden des Alterns lachend entgegenschreitet. 

Zwei oder drei Fahrradtouren später vergass ich nach 2-3 isotonischen Gerstenkaltschalen den heroischen Plan und gab mich wieder dem süssen Nichtstun hin. Alt werden kann man schliesslich auch komplett unfit und mit ostwestfälischer Pocke. 

Heute schrieb mir dann Birgit Bach. Birgit Bach arbeitet für die Firma runtastic GmbH mit Sitz im schönen Linz / Austria. 

 

Birgit glaubt an mich. Und sie ist stolz, dass ich ein GOLD Mitglied bin. Doch leider ist was schief gelaufen: Die Bank hat meinen Mitgliedsbeitrag zurückgebucht. Und nun steht der stolze Beitrag von 49,90 Euro offen. Ich möge mich doch bitte kümmern.

Mir wäre vor Schreck fast das morgendliche Paderborner aus der Hand gefallen. Was ist passiert?

Nun, runstastic hat ein ganzes Jahr nix von mir gehört und mir wöchentlich LEERE runtastic Aktivitätsreports per Mail zugeschickt, die allesamt im Spamordner gelandet sind, zusammen mit Penis Enlargement Mails und diversen Erbbenachrichtigungen aus Nigeria und Kongo. Was ich nicht bekam, war eine Benachrichtigung darüber, dass mein Abo ganz bequem und völlig automatisch um ein ganzes beschissenes Jahr verlängert wird. Ich verstehe das. Man will seine Kunden ja auch nicht ständig mit Mails belästigen, schließlich haben die besseres zu tun. Fahrradfahren zum Beispiel.

Nun ist meine Kreditkarte mittlerweile implodiert und Paypal hat vergeblich versucht, diese mit 49,90 Euro zu belasten. Ich logge mich also nun bei runtastic GOLD ein und möchte die Sache aus der Welt schaffen. Genauer: Ich möchte die Dienste dieses Unternehmens nicht weiter in Anspruch nehmen, denn bislang gibt es noch keine runtastic App „Couch“ oder „Bier“. Ich lande sofort auf der Seite, wo ich die neue Zahlungsmethode einstellen kann. Da will ich aber gar nicht hin. Schließlich will ich kündigen, nicht bezahlen. Ich zahle doch nichts für eine Leistung, die ich NULL KOMMA NULL in Anspruch nehme. Minutenlang quäle ich mich durch alle Menüs auf der Suche nach der Kündigungs-Option. Vergeblich. Also bemühe ich die Hilfe-Option. Dort finde ich den Hinweis, das man das Abo jederzeit mit einer Kündigungsfrist von 2 Wochen vor Ablauf der Laufzeit kündigen kann. Heisst: Ich bin zu spät und mein Abo endet am 12. August 2015. 

Mittlerweile habe ich so einen Hass auf diese automatischen Abo- und Vertragsverlängerungen. Das ist kein Kundenservice, das ist ausgemachte Affenscheisse und eine einzige dreiste Abzocke. Service wäre es, wenn man nach Ablauf der Laufzeit freundlich gefragt wird, ob man zufrieden ist mit der Leistung des Vertragspartners und ob man sich eventuell vorstellen kann, diese Partnerschaft auch zukünftig weiter fortzuführen. Die wollen was von mir und zwar, das ich Kunde bleibe. Und um diese Leistung muss man kämpfen. Man muss den Kunden stetig umwerben, ihn von dem Angebot überzeugen. Und ihn nicht in eine Abofalle locken. Dahinter steckt doch ganz klares Kalkül: Ein Großteil der Kunden vergisst schlicht dieses Abo und bemerkt den teuren Fehler erst, wenn die neue Jahresgebühr abgebucht wurde. Dann loggt man sich wutschnaubend ein und kündigt verärgert. Doch da ist es schon zu spät und das Unternehmen hat ein weiteres Jahr kassiert.  Ich nenne es mal den Fitnessstudio-Effekt. 

Dabei begeht das Unternehmen einen kolossalen Fehler: Es vergrault potentielle oder ehemalige Kunden für alle Zeit. Kunden, die man eventuell längerfristig binden könnte, mit neuen und besseren Angeboten. Doch Kunden wie ich werden nicht wiederkommen. Ich lasse mich nur einmal verarschen. Ja genau, dieser Pseudo-Service „Automatische Vertragsverlängerung“ ist reine Verarsche und eine Beleidigung an alle, die Kundenservice und -freundlichkeit noch gross schreiben. 

Bye bye Runtastic!

Bye bye Birgit Bach!

 

 

 

2 Kommentare zu „Birgit Bach schreibt mir…

  1. Man kann solche Abos immer gleich sofort nach Abschluss kündigen. Dann verpasst man die Kündigungsfrist nach einem oder zwei Jahren nicht, und weil die Firma einen als Kunden behalten will, meldet sie sich dann rechtzeitig wegen der Verlängerung. Kann ich nur empfehlen!

    Man kann nicht ausschließen, dass der Service dann geringfügig besser wird, vor allem gegen Ende der Laufzeit, weil sie einen ja bei Ablauf neu gewinnen müssen und schlechter Service dem nicht zuträglich ist.

  2. Ich kann das nur unterschreiben!
    Automatische Vertragsverlängerungen, vor allem die, mit denen man gleich weitere 12 Monate geknebelt wird, sind kundenvergraulend. Auf Nimmerwiedersehen!
    Unter Kundenservice verstehe ich auch etwas anderes.

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