Hassliebe

Ich Vollidiot dachte ernsthaft, ich könnte ewig so weitermachen. Könnte bis zur Rente 200% geben. Jeden Tag. Dort draussen, in fremden Wohnungen, in U-Bahnstationen, auf einsamen Landstraßen, Tag und Nacht, im Sommer und im Winter. Nötige Einsätze, lebensrettende Einsätze, schlimme Einsätze, unnötige Einsätze. All diese Bilder, das Leiden der Betroffenen. Immer müde, immer am Limit. Der Stress. Der Ärger über inkompetente Kollegen. Die Auseinandersetzungen. All das Gerede. Dazu noch die ganze Politik. Und ständig die Diskussionen mit den aufnehmenden Kollegen in den Zielkliniken. „Gibt es kein anderes Krankenhaus?“. Dabei die eigenen Grenzen ständig überschritten, sie noch nichtmal erkannt. Ich wollte sie nicht erkennen.

Ich habe es so verdammt geliebt.

Das war ich.

Und jetzt hasse ich es.

Ich bin in der Luft. Die Maschine trudelt. Die Elektronik spinnt. Die Navigation ist ausgefallen. Alles blinkt und piept, ein greller Alarmton schrillt unaufhörlich. Mayday! Schwerer Ausnahmefehler! Ich muss die Kiste irgendwie zu Boden kriegen. Dabei wird die nicht heile bleiben, dass ist sicher. Die fliegt hinterher nicht mehr. Aber alles besser als der unkontrollierte Absturz, der Crash ohne Überlebende.

Noch bin ich in der Luft. Die Maschine dreht sich um sich selbst. Immer schneller. Ich habe Angst. Ich will noch nicht gehen. Fest umklammere ich den Steuerknüppel, stabilisiere die Maschine. Ich werde kämpfen. Und ich werde anschließend wieder in eine Maschine steigen. Ich werde wieder fliegen.

Aber es wird eine ganz andere sein.

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