Über Ossis, die Mauer(n) und Polemik

Jetzt ist es passiert. Ich habe einen eigenen Blog. Nachgedacht habe ich darüber schön des öfteren, doch realisiert habe ich es dann letztlich doch nicht. Aus Bequemlichkeit, aus zuviel um die Ohren, aus warum auch immer. Doch nachdem in der letzten Woche recht unerwartet ein kleiner Shitstorm über meinen Twitteraccount gezogen ist, erkannte ich sehr deutlich die Begrenztheit von Twitter in Form der 140 Zeichen. Und die Notwendigkeit, einige Dinge in mehr als 140 Zeichen klarzustellen.

Und was geht es genau? Es geht um diesen Tweet, den ich letzte Woche Dienstag, den 05. November online stellte:

Bild

Entstanden aus einem tiefen, akuten Frust heraus. Da saß ich so entspannt bei einer Tasse Kaffee, klickte mich durch die aktuellen Nachrichten auf Spiegel Online und dann lass ich den folgenden Artikel:

Protest gegen Flüchtlinge: Rechter Aufruhr in Schneeberg

Was ich da lass, machte mich fassungslos. Wütend. Zornig. Schnell hatte ich den Kaffee, den ich gerade so getrunken hatte, auf und war nahe dran, mir wieder hoch zu kommen. Ich sah die Bilder der Proteste, lass von dem kruden Gefasel des Stefan Hartung, dem NPD-Vorsitzenden des Landkreises Erzgebirge und von den Sprechchören der Bürger, die „STEFAN, STEFAN!“ rufen und dann sogar „Wir sind das Volk!“ skandieren. Dafür sind die Menschen 1989 in der DDR auf die Strasse gegangen und haben Leib und Leben riskiert? Sind das, 24 Jahre nach der Wiedervereinigung, die blühenden „braunen“ Landschaften? Dafür, dachte ich mir spontan, hätte die Mauer nicht fallen müssen. Und so ward der Tweet geboren. Groß nachgedacht habe ich darüber in der Sekunde nicht.

Wer mich kennt oder wer in den letzten Monaten meine Tweets einigermassen regelmässig verfolgt hat weiss oder kann es zumindestens erahnen, dass ich eine ausgesprochen linke Socke bin. Ich habe sogar, das gebe ich gerne offen zu, Die Linke bei der letzten Bundestagswahl gewählt. Bei der Wahl davor im übrigen auch schon. Mir ist es auch absolut egal, woher ein Mensch kommt, welche Hautfarbe er hat, welches Geschlecht, welchen Makel, welche Behinderung, welche politische Einstellung und so weiter. Ich bin da völlig tolerant. Aber trotzdem, und ich sehe da gar keinen Widerspruch, kann ich mich vortrefflich über andere Menschen ärgern, aufregen und schimpfen, das sich die Balken biegen. Soviel zu meiner politischen Einstellung.

„Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung“ – Serdar Somuncu

Ein perfektes Zitat, in dem ich mich absolut wiederfinde. Ich kann über Bayern herziehen genauso wie ich über Westfalen herziehen kann. Ich kann über die Hamburger herziehen, aber gleichermassen auch schlechtes über die Berliner erzählen. Ich kann mich über Moslems lustig machen und in einem Atemzug über einen Christen-Witz kichern. Immer mit einem Augenzwinkern und dem Gefühl im Herzen: Alles Menschen. Alle gleich. Alle mit ihren Fehlern und Irrglauben.

Dieses Augenzwinkern kommt natürlich in einem Tweet nicht immer so gut rüber, und daher kam es zu einem Sturm der Entrüstung. Mir wurde vorgeworfen, ich würde alle Ossis als Nazis bezeichnen und über einen Kamm scheren. Was, um es vorweg zu nehmen, völliger Dummfug ist. Ich habe viele gute Freunde, die aus dem Osten kommen. Ich habe auch schon im Osten gearbeitet und keine Probleme gehabt. Und alleine schon der hohe Stimmanteil der Linkswähler im Osten spricht ja klar dagegen, dass alle Ossis Nazis sind.

Nichtsdestotrotz zog ein Shitstorm auf und im Zentrum des Sturmwirbels gewissermassen stand die Rädeslführerin der Protestbewegung, die aus Dresden stammende Anne aka @erdbeeretta

Bild

„Zieht die Mauer wieder hoch…“ – by Erdbeeretta

Ist ok. Freies Land – freie Meinungsäußerung. Doch es gibt einen ganz entscheidenden Punkt, der mich an diesem ganzen Blogeintrag maßlos stört: Anne weiß ganz genau, dass ich überhaupt kein Problem mit Ossis habe und sie ganz sicher nicht über einen Kamm schere. Das weiß sie deshalb so genau, weil sie mich recht gut kennt. Diese Form der Polemik gegen mich und meine vermeintliche „Ossifeindlichkeit“ ist in der Hauptsache in persönlichen Emotionen bezüglich meiner Person begründet.

Seit einiger Zeit besteht zwischen uns beiden kein Kontakt mehr, auf meinen Wunsch hin und aus Gründen, die ich hier nicht näher erläutern werde. Ich hege den hochgradigen Verdacht, dass sie damit nicht so gut klar kommt und sich dieser Frust nun in dieser „Hetzjagd“ einen Weg gesucht hat.

Bild

Sie geht sogar soweit, dass sie indirekt dazu aufruft, mir scharenweise zu entfolgen. Ich kann damit leben und die Entfolgungen hielten sich im übrigen in Grenzen. Doch schade finde ich das Verhalten trotzdem. Inhaltlich fande ich ihren Blogeintrag gut und kann dem sogar in weiten Teilen zustimmen.

Zu dem was ich geschrieben habe, stehe ich weiterhin. Ich bin immer noch der Ansicht, dass sich rechtes Gedankengut und rechte Strukturen in den neuen Bundesländern leichter verbreiten und verfestigen können als in den alten Bundesländern. Alleine die Wahlergebnisse der NPD sprechen hier eine deutliche Sprache. Aber deshalb sind nicht alle Ossis Nazis und wie ich aus vielen Replies und DMs weiß, haben das auch die meisten meiner Follower verstanden und nahmen mir meine Tweets nicht übel.

An Anne kann ich nur den Wunsch richten, die persönliche Schiene wieder zu verlassen und zu einer sachlichen Ebene zurückzukehren. Und, wenn das nicht möglich ist, sich besser gar nicht zu meinen Tweets oder Meinungen zu äußern.

In diesem Sinne.

 

 

 

 

 

 

4 Kommentare zu „Über Ossis, die Mauer(n) und Polemik

  1. Hallo Dr FreakOut, das sich rechte Strukturen in den neuen Bundesändern leichter verfestigen können stimmt so nicht unbedingt. Schau dir mal Reportagen des WDR und anderer Medien über die Nazis in den alten Bundesländern an, da sind in den letzten Jahren recht viele entstanden. Da sind die nur nicht so auffällig angezogen. ;D
    Da treten die eher als Oi Punks auf. Auch wenn die in den westlichen Bundesländern nicht in den Parlamenten sitzen, gibt es sehr ausgeprägte Kameradschaften und andere Strukturen, häufig als „Bürgerbewegung“ getarnt. Da sie eher nicht in den (Länder)Parlamenten sitzen liegt eher an der größeren Bevölkerung und einer anderen Bevölkerungsstruktur. In vielen, vorallem kleineren Gemeinden in NRW, Rheinlandpfalz usw. sitzen sie aber schon. Außerdem scheinst du einen Teil der Geschichte der Kameradschaften und ähnlicher Leute im Osten auch nicht zu kennen. Die ersten Rädelsführer anfang der 90ziger, die ganz klar die Situation ausgenutzt haben und auch vorhandene Resantimonts weiterhin geschührt haben, kamen eindeutig aus den alten Bundesländern. Ein Beispiel hier für sind die ersten Kameradschaften in Dresden und anderen Teilen Sachsens.

Kommentar verfassen